out of my working bubble   -  BLOG

War das gerade Arbeit für dich?



Ausgehend von meinem eigenen ambivalenten Verhältnis zu Arbeit habe ich das Bedürfnis, festzuhalten, wie Menschen ihre Arbeit verstehen und was sie ihnen bedeutet. Dafür möchte ich raus aus meiner eigenen Kunstbubble. 

Ab September 2026 werden wir mit einer mobilen Objektlandschaft an unterschiedlichen Orten in Basel (CH) und Freiburg im Breisgau (DE) im öffentlichen Raum anzutreffen sein.  Industriell anmutende Objekte laden zum Bauen, Verändern, Verweilen und ins Gespräch kommen ein. Gemeinsam möchten wir mit Menschen jenseits unserer eigenen Kunstbubble über Arbeit sprechen: Was bedeutet Arbeit für dich? Und wann fühlt sich etwas eigentlich nach Arbeit an? In spontanen Dialogen entstehen erste Begegnungen rund um Arbeit, Körperlichkeit und persönliche Arbeitsdefinitionen.

Der Blog hält diese Begegnung, Gedanken dazu und Erfahrungen fest. Das Projekt verstehen mein Team und ich auch als Übung, widersprüchliche Stimmen und Positionen nebeneinander stehen zu lassen, Ambivalenzen auszuhalten und Differenzen im vermeintlich Gleichen aufzuspüren. Mehr Infos zum Projekt findest Du weiter unten im Blog.


Ich selbst bin freischaffende Choreografin, Tänzerin und Tanzvermittlerin. Meine künstlerische Praxis verbindet zeitgenössischen Tanz mit dokumentarischer Recherche, Bildender Kunst und experimentellem Film. Im Zentrum meiner Arbeiten stehen Körper, Wahrnehmung und gesellschaftliche Fragestellungen sowie die Entwicklung partizipativer Formate, die Menschen unterschiedlicher Lebensrealitäten in einen gemeinsamen künstlerischen Dialog bringen.

Zum künstlerischen Team gehören: Vincent Julmy, Bühnenbildner, der die mobile Objektlandschaft designt und gebaut hat. Sabine Noll, Dramaturgin und Tanzvermittlerin sowie Claudia Carolin Münch, Filmerin - sie begleitet das Projekt filmisch.






WIR SIND UNTERWEGS

BASEL

30. AUGUST
Quartierfest Rosental-Erlenmatt, 12-17 Uhr

3. SEPTEMBER
St. Johann · Voltaplatz / Elsässerstrasse–Gasstrasse

4.–6. SEPTEMBER
Verschiedene Orte in Basel t.b.a

9. SEPTEMBER
Quartierszentrum Union Basel, 14-17 Uhr

Klybeckstrasse 95 

Mehr Info: https://zinavaessen.net/Workshop-out-of-my-working-bubble



12.–13. SEPTEMBER

WORKSHOP · Quartierszentrum Union Basel, Klybeckstrasse 95,  jeweils von 11-16 Uhr


16. SEPTEMBER
Foyer Public · Theater Basel, 11-18 Uhr

FREIBURG IM BREISGAU

17. SEPTEMBER
Kulturkiosk · Stühlinger Kirchplatz, 10-18 Uhr


31. OKTOBER & 1. NOVEMBER

WORKSHOP ·  Kinder- und Jugendzentrum Weingarten, Bugginger Straße 42, Freiburg 



Die Intervention sowie die Workshops sind offen und kostenlos. 

https://zinavaessen.net/Workshop-out-of-my-working-bubble 

Komm vorbei, setz dich dazu, bau mit oder komm einfach ins Gespräch.Anmeldung für den Workshop im Union Basel: zinavaessen@hotmail.com oder komm spontan vorbei, Wir freuen uns auf dich!




                                Die mobile Objektlandschaft von Vincent Julmy ist fertig, 25. August 2026

„Arbeit steht stets im Zusammenhang mit Existenzsicherung sowie dem zutiefst menschlichen Bedürfnis, die Welt mitzugestalten. Die damit verbundenen Hoffnungen, Visionen und Ängste erleben wir körperlich. Fragen nach der Bedeutung und dem Wert von Arbeit sind deshalb auch Körperfragen.“

                     

Zina Vaessen aus dem Forscherinnentagebuch working bodies, 2024



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           Headlines zum Thema Arbeit aus der Wochenzeitung “ Der Freitag”, 2023

              


Selbstinterview zum eigenen Arbeitsbegriff                                                            

 September 2025

Zina 2 : Welche Assoziationen hast Du mit dem Wort „Arbeit“?
Zina 1 : Das Wort Arbeit verbinde ich sehr stark mit einem Gefühl, dass etwas jetzt sicher ganz wichtig ist. Dass die Person, die vielleicht arbeitet, sicherlich wichtig sein muss, weil sie ja eine Arbeit hat und dass sie sicher Sinn in der Arbeit sieht.  Also die Arbeit gibt der Person Sinn und umgekehrt. (Lacht) Ich verbinde das Wort Arbeit aber auch mit Mühe und Anstrengung. Arbeit ist für mich auch notwendig um irgendetwas was schwierig ist, zu überwinden. Auch sagen möchte ich an dieser Stelle, dass ich nicht sonderlich stolz bin auf diese Arbeitsdefinition. Auch finde ich sie nicht sonderlich zukunftsweisend oder so.
Zina 2 : Wann, in welchen Momenten deines Alltags sagst du zu dir: Das ist Arbeit!
Zina 1 : Ich sage mir nur, dass etwas Arbeit sei, wenn ich was für andere tu…Wenn ich für mich arbeite, dann verwirkliche ich etwas. Anderen würde ich vielleicht schon sagen, ich muss noch ins Studio arbeiten gehen. Aber ich würde es nicht wirklich als Arbeit abtun. Und wenn ich Geld dafür bekomme, dann nur damit ich leben kann. Aber dann denke ich auch, vielleicht nenne ich es nicht Arbeit, weil meine eigenen Projekte selten dem Lebensunterhalt dienen…Vielleicht deshalb ist es für mich keine Arbeit. Es ist also tricky. 
Zina 2 : Was musst du können oder wissen um deine Arbeit machen zu können?
Zina 1 : Ein Projekt zu entwickeln und etwas zu einer Aufführung zu bringen ist eigentlich: Aus dem Nichts, Etwas zu schaffen. Das ist ein ziemliches Wagnis. Es kann auch schief gehen. Es ist eine Herausforderung, die ich liebe. Das muss ich zum Beispiel "können". Choreografieren und die Arbeit mit dem Körper sind sehr komplex…weil der Körper nicht so einfach zu beherrschen ist…und Menschen auch nicht…Ich bin froh um meine Arbeit, weil der Körper irgendwie doch ein Zuhause ist. Das Denken mit dem Körper zu kultivieren. Das mit der Freiheit ist schwierig...Also ich bin ja eigentlich sehr frei…aber deshalb muss ich mich selbst eingrenzen und dann manchmal diktiert einen das Leben der Arbeit, die man schafft oder die sich schafft, auch einiges…Also ich versuche auch zuzuhören. Oder das wäre zumindest das ideal. Ich muss auch an etwas Glauben und als Gruppe je mehr wir an etwas zusammen glauben in etwas leben kommt etwas in Existenz, das überträgt sich auch auf das Publikum. Ich muss ein Gefühl für den Körper haben, für Komposition, Gestaltung. Beziehungen zwischen Dingen verstehen, herstellen, aktivieren, Spielen. Kanalisieren. Wann was wo…Ich muss mich selber motivieren und strukturieren können. Ich muss wissen, was ich können sollte und das entweder lernen, delegieren oder die Dinge so organisieren, dass ich darum herumschleichen kann. Mit den Unfähigkeiten klarkommen. Muss man auch können...An meiner Arbeit geniesse ich definitiv, dass mir zumindest einbilden kann, dass mir niemand etwas vorschreibt. Ich finde es spannend selbst Themen setzen zu können. Ja, ich mag es frei zu sein, was allerdings sicher nicht nur einfach ist.          


„Mittlerweile arbeiten nicht nur Menschen, sondern auch Pilze und Ameisen.“



                                      - Barron/Hess, 2021, in: Non-Human Labour: The Work of Earth Others




Sich durchfluten lassen, ist das Arbeit?, 2024



Mein Verhältnis zu Arbeit, Juli 2024

Also es gibt nicht nur nur das Bild von einem, der einen Wagen schiebt, sondern auch diese Idee, dass man sich bereit machen kann oder muss um gewisse Kräfte durch sich hindurch gehen und arbeiten zu lassen. Sich durchfluten lassen - ist das Arbeit? Siehe das Bild oben.



Mein Verhältnis zum Arbeit, März 2024
Für mich ist “Arbeit” definitiv mit einer gewissen Anstrengung und auch mit der Idee von Leistung verbunden, manchmal auch mit Unlust, wenn ich ehrlich bin. Ich verbinde Arbeit mit dem Überwinden von etwas. Wenn ich ein Bild zeichnen müsste, das für mich Arbeit versinnbildlicht, dann wäre das wie einer einen Wagen schiebt oder zieht…das ist Arbeit für mich. Wenn mir etwas sehr viel Spass macht oder wenn mir etwas leichtfällt oder wenn ich das Gefühl habe, etwas nur für mich zu tun, dann habe ich irgendwie nicht das Gefühl zu arbeiten, ´dann bin ich einfach tätig. Gar nicht zu arbeiten, macht dass ich mich schuldig fühle. Oder sehr hart zu arbeiten und dann kommt dabei nichts raus, ist ganz schlimm für mich. Vor allen Dingen, wenn andere Menschen, dann diese für mich ergebnislose Arbeit würdigen wollen…das kann ich dann gar nicht ertragen….Ich bin über meine Wahrnehmung von Arbeit, nicht sonderlich stolz, aber so ist das ein bisschen bei mir. Vielleicht kannst Du auf diese Weise Deine Definition von Arbeit aufzeichnen


Ich als Arbeiterin, Januar 2024: Self-Portrait von John Coplans, 1984


Mein eigenes Verhältnis zu Arbeit, ausgedrückt in einer Position, abgedreht und voll drin. 


Einer der frei durch die Wildnis springt und im Hintergrund eine Baumsorte,
    die ich überall antreffe, weil die, die wuchert, wuchert, wuchert....Wucherarbeit?       Februar 2024



Faulenzen oder auf einem Bein stehen?, 2024



Still aus der ersten Skizze zu einem 3-minütigen Videoportrait der wundervollen Tänzerin Chelsea Reichert, 2025



Die hier zusehenden Video Clips entwickelt im Rahmen verschiedener Recherche Förderung sind Skizzen zu einer größeren Videoportraitserie an der Schnittstelle von Dokumentation, Video und Tanz. Sie gibt Einblick in einen laufenden künstlerischen Prozess, für den auch im kommenden Jahr verschiedenste Menschen zu einer Interviewsituation, Tanz- proben und sehr authentischen Aufnahmen eingeladen werden.
Der Rechercheprozess wurde gefördert vom Tanznetz Freiburg, von der Kulturpauschale / Rechercheförderung der Stadt-Basel sowie des Kulturamts der Stadt Freiburg im Breisgau.





Welche Tätigkeiten in unserem Leben nennen wir Arbeit – und welche nicht?

Wofür steht „Arbeit“, losgelöst von alten Konzepten, moralischer Diktion oder ideologischem Überbau? Und ist das überhaupt möglich?

Welche alltäglichen Definitionen entwickeln Menschen, wenn man sie ausführlich befragt? Welche Teile ihres Lebens beschreiben sie als Arbeit – und welche nicht? Wie erleben sie ihre Tätigkeit, was macht sie zufrieden?


Welche Formen von Arbeit bleiben oft unsichtbar, obwohl sie unser Zusammenleben tragen?


Was in unserer Arbeit ist zutiefst menschlich – und lässt sich weder automatisieren noch ersetzen?


Wie fühlt sich Arbeit im Körper an? Wo speichert sie sich – in Haltung, Bewegung, Müdigkeit, Spannung oder Stolz?

Wie sieht eine sinnliche, wertschätzende Reflexion, die die Körperlichkeit miteinbezieht aus, die neben dem biologischen Körper auch von der „Leiblichkeit“ ausgeht - als stetem Austausch zwischen Innerem und Welt – die Integration von Emotion, die Wahrnehmung von Raum, Umwelt und Identität.

Wie möchten wir in Zukunft arbeiten – und was müssten wir dafür verändern?






         Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Foto im Industriegebiet Nord, Freiburg, Juni 2026 


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Hier findest du Material zum Prozess, das einen kleinen Einblick in die Recherche der letzen zwei Jahre geben soll.