working bodies - Einblick in den Prozess
Ein transdisziplinäres partizipatives Projekt zum Thema Arbeit
Industriegebiet Nord Freiburg im Breisgau

Faullenzen oder auf einem Bein stehen (März 2024)
Sich durchfluten lassen, ist das Arbeit? (Februar 2022)

Einer der frei durch die Wildnis springt und im Hintergrund eine Baumsorte,
die ich überall antreffe, weil die, die wuchert, wuchert, wuchert....Wucherarbeit?
Selbstportrait von mir als Arbeiterin (Juli 2024)





Videostill aus den ersten Videoskizzen für eine serielle Videoportrait Arbeit


Mein persönliches Verhältnis zu Arbeit, ausgedrückt in einer Position: abgedreht, voll drin (Mai 2024)
Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?
Headline Überschriften Schnipsel zum Thema Arbeit aus der Freitag Wochenzeitung
„Mittlerweile arbeiten nicht nur Menschen, sondern auch Pilze und Ameisen.“
(Barron/Hess, 2021, in: Non-Human Labour: The Work of Earth Others)
Unsere Arbeitsbegriffe haben sich in jeder Epoche und Gesellschaft stark verändert. In der Antike und jüdisch-christlichen Tradition wird Arbeit so als notwendiges Übel oder als göttliche Strafe angesehen. Zum Ende des Mittelalters hingegen erklärten wir Arbeit immer mehr zu einem Zeichen von wirtschaftlichem Erfolg. Vor dem Hintergrund, dass Computer-Technologie und intelligente Maschinen eine unfassbar große Menge an Arbeit für uns erledigen und uns vor die luxuriöse, aber auch beängstigende Frage stellen, wie unsere Arbeit in Zukunft aussehen könnte, interessiert mich das jeweils persönliche Arbeitsverständnis ganz unterschiedlicher Menschen.
Welche alltäglichen Definitionen entwickeln Menschen, wenn man sie ausführlich befragt? Welche Teile ihres Lebens beschreiben sie als Arbeit – und welche nicht? Wie erleben sie ihre Tätigkeit, was macht sie zufrieden?
Eine sinnliche, wertschätzende Reflexion bezieht auch die Körperlichkeit ein: Neben dem biologischen Körper meint sie die „Leiblichkeit“ als steten Austausch zwischen Innerem und Welt – die Integration von Emotion, die Wahrnehmung von Raum, Umwelt und Identität.
In dem mehrjährigen, partizipativen, transdisziplinären Projekt working bodies an den Schnittstellen von qualitativer Forschung, Tanz, Text und serieller Videoarbeit möchte ich mich mit Menschen unterschiedlicher Lebensentwürfe und Klassenlagen in einen gemeinsamen künstlerischen Prozess der persönlichen leiblichen Auseinandersetzung mit Arbeit begeben.
Am Projekt beteiligt sind der Szenograf und Industriedesigner Vincent Julmy, der Künstler und Filmemacher Simon Krebs, die Dramaturgin und Tanzvermittlerin Sabine Noll sowie der Produktionsleiter Xavier Zuber. Gemeinsam begleitet das transdisziplinäre Team den künstlerischen Prozess an den Schnittstellen von Tanz, Film, Text, Raum und dokumentarischer Recherche.
„Arbeit steht stets im Zusammenhang mit Existenzsicherung sowie dem zutiefst menschlichen Bedürfnis, die Welt mitzugestalten. Die damit verbundenen Hoffnungen, Visionen und Ängste erleben wir körperlich. Fragen nach der Bedeutung und dem Wert von Arbeit sind deshalb auch Körperfragen.“
— Zina Vaessen aus dem Forscherinnentagebuch working bodies, 2024
Ab September 2026 wird das Team mit einer mobilen Objektlandschaft an unterschiedlichen Orten in Basel im öffentlichen Raum anzutreffen sein. Die futuristisch anmutende, wandelbare Sofa- und Objektlandschaft lädt Passant:innen zum Verweilen, Sitzen, Bauen und Gespräch ein und schafft einen offenen, niedrigschwelligen Begegnungsraum. In spontanen Dialogen entstehen erste Begegnungen rund um Arbeit, Körperlichkeit und persönliche Arbeitsdefinitionen. Die dort geknüpften Kontakte und Gespräche bilden die Grundlage für das weiterführende Folgeprojekt working series. In vertiefenden Interviews, Workshops und gemeinsamen Rechercheprozessen entstehen daraus choreografisch-filmische Videoportraits an den Schnittstellen von Tanz, Dokumentation und Videokunst.
Hier findet ihr die Fragen und Gedanken zum Prozess, die einen kleinen Einblick in die Recherche geben sollen. DIes in Form von Fragen, kurzen Statements, Zitaten und Auszüge aus meinem Forschertagebuch.
Welche Tätigkeiten in unserem Leben nennen wir Arbeit – und welche nicht?
Wofür steht „Arbeit“, losgelöst von alten Konzepten, moralischer Diktion oder ideologischem Überbau? Und ist das überhaupt möglich?
Welche alltäglichen Definitionen entwickeln Menschen, wenn man sie ausführlich befragt? Welche Teile ihres Lebens beschreiben sie als Arbeit – und welche nicht? Wie erleben sie ihre Tätigkeit, was macht sie zufrieden?
Welche Formen von Arbeit bleiben oft unsichtbar, obwohl sie unser Zusammenleben tragen?
Was in unserer Arbeit ist zutiefst menschlich – und lässt sich weder automatisieren noch ersetzen?
Wie fühlt sich Arbeit im Körper an? Wo speichert sie sich – in Haltung, Bewegung, Müdigkeit, Spannung oder Stolz?
Wie sieht eine sinnliche, wertschätzende Reflexion, die die Körperlichkeit miteinbezieht aus, die neben dem biologischen Körper auch von der „Leiblichkeit“ ausgeht - als stetem Austausch zwischen Innerem und Welt – die Integration von Emotion, die Wahrnehmung von Raum, Umwelt und Identität.
Wie möchten wir in Zukunft arbeiten – und was müssten wir dafür verändern?
— Zina Vaessen aus dem Forscherinnentagebuch working bodies, 2025
Mein Verhältnis zu Arbeit (März 2024)
Für mich ist “Arbeit” definitiv mit einer gewissen Anstrengung und auch mit der Idee von Leistung verbunden, manchmal auch mit Unlust, wenn ich ehrlich bin. Ich verbinde Arbeit mit dem Überwinden von etwas. Wenn ich ein Bild zeichnen müsste, das für mich Arbeit versinnbildlicht, dann wäre das wie einer einen Wagen schiebt oder zieht…das ist Arbeit für mich. Wenn mir etwas sehr viel Spass macht oder wenn mir etwas leichtfällt oder wenn ich das Gefühl habe, etwas nur für mich zu tun, dann habe ich irgendwie nicht das Gefühl zu arbeiten, ´dann bin ich einfach tätig. Gar nicht zu arbeiten, macht dass ich mich schuldig fühle. Oder sehr hart zu arbeiten und dann kommt dabei nichts raus, ist ganz schlimm für mich. Vor allen Dingen, wenn andere Menschen, dann diese für mich ergebnislose Arbeit würdigen wollen…das kann ich dann gar nicht ertragen….Ich bin über meine Wahrnehmung von Arbeit, nicht sonderlich stolz, aber so ist das ein bisschen bei mir. Vielleicht kannst Du auf diese Weise Deine Definition von Arbeit aufzeichnen…
Mein Verhältnis zu Arbeit (Juli 2024)
Also es gibt nicht nur nur das Bild von einem, der einen Wagen schiebt, sondern auch diese Idee, dass man sich bereit machen kann oder muss um gewisse Kräfte durch sich hindurch gehen und arbeiten zu lassen. Siehe Foto oben rechts.
Selbstinterview zum eigenen Arbeitsbegriff/Arbeitsverhältnis (September 2025)
Zina 2 : Welche Assoziationen hast Du mit dem Wort „Arbeit“?
Zina 1 : Das Wort Arbeit verbinde ich sehr stark mit einem Gefühl, dass etwas jetzt sicher ganz wichtig ist. Dass die Person, die vielleicht arbeitet, sicherlich wichtig sein muss, weil sie ja eine Arbeit hat und dass sie sicher Sinn in der Arbeit sieht. Also die Arbeit gibt der Person Sinn und umgekehrt. (Lacht) Ich verbinde das Wort Arbeit aber auch mit Mühe und Anstrengung. Arbeit ist für mich auch notwendig um irgendetwas was schwierig ist, zu überwinden. Auch sagen möchte ich an dieser Stelle, dass ich nicht sonderlich stolz bin auf diese Arbeitsdefinition. Auch finde ich sie nicht sonderlich zukunftsweisend oder so.
Zina 2 : Wann, in welchen Momenten deines Alltags sagst du zu dir: Das ist Arbeit!
Zina 1 : Ich sage mir nur, dass etwas Arbeit sei, wenn ich was für andere tu…Wenn ich für mich arbeite, dann verwirkliche ich etwas. Anderen würde ich vielleicht schon sagen, ich muss noch ins Studio arbeiten gehen. Aber ich würde es nicht wirklich als Arbeit abtun. Und wenn ich Geld dafür bekomme, dann nur damit ich leben kann. Aber dann denke ich auch, vielleicht nenne ich es nicht Arbeit, weil meine eigenen Projekte selten dem Lebensunterhalt dienen…Vielleicht deshalb ist es für mich keine Arbeit. Es ist also tricky.
Zina 2 : Was musst du können oder wissen um deine Arbeit machen zu können?
Zina 1 : Ein Projekt zu entwickeln und etwas zu einer Aufführung zu bringen ist eigentlich: Aus dem Nichts, Etwas zu schaffen. Das ist ein ziemliches Wagnis. Es kann auch schief gehen. Es ist eine Herausforderung, die ich liebe. Das muss ich zum Beispiel "können". Choreografieren und die Arbeit mit dem Körper sind sehr komplex…weil der Körper nicht so einfach zu beherrschen ist…und Menschen auch nicht…Ich bin froh um meine Arbeit, weil der Körper irgendwie doch ein Zuhause ist. Das Denken mit dem Körper zu kultivieren. Das mit der Freiheit ist schwierig...Also ich bin ja eigentlich sehr frei…aber deshalb muss ich mich selbst eingrenzen und dann manchmal diktiert einen das Leben der Arbeit, die man schafft oder die sich schafft, auch einiges…Also ich versuche auch zuzuhören. Oder das wäre zumindest das ideal. Ich muss auch an etwas Glauben und als Gruppe je mehr wir an etwas zusammen glauben in etwas leben kommt etwas in Existenz, das überträgt sich auch auf das Publikum. Ich muss ein Gefühl für den Körper haben, für Komposition, Gestaltung. Beziehungen zwischen Dingen verstehen, herstellen, aktivieren, Spielen. Kanalisieren. Wann was wo…Ich muss mich selber motivieren und strukturieren können. Ich muss wissen, was ich können sollte und das entweder lernen, delegieren oder die Dinge so organisieren, dass ich darum herumschleichen kann. Mit den Unfähigkeiten klarkommen. Muss man auch können...An meiner Arbeit geniesse ich definitiv, dass mir zumindest einbilden kann, dass mir niemand etwas vorschreibt. Ich finde es spannend selbst Themen setzen zu können. Ja, ich mag es frei zu sein, was allerdings sicher nicht nur einfach ist.
Die hier zusehenden Video Clips entwickelt durch die Choreografin Zina Vaessen und den Filmer Simon Krebs sind Skizzen, entstanden im Rahmen einer Vorrecherche zu einer größeren Videoportraitserie an der Schnittstelle von Dokumentation, Video und Tanz. Sie gibt Einblick in einen laufenden künstlerischen Prozess, für den auch im kommenden Jahr verschiedenste Menschen zu einer Interviewsituation, Tanz- proben und sehr authentischen Aufnahmen eingeladen werden.
Der Rechercheprozess wurde gefördert von der Kulturpauschale / Rechercheförderung der Stadt-Basel sowie des Kulturamts der Stadt Freiburg im Breisgau.
“Ich bin fasziniert, aber auch skeptisch gegenüber dem menschlichen Drang,
unentwegt zu arbeiten, zu produzieren oder andere dazu zu bringen – und dadurch
jene materiellen wie symbolischen Welten hervorzubringen, in denen wir leben.” - Zina Vaessen Forscherinnentagebuch working bodies Januar 2026